18. März 2020

Der Zustand und die Ausnahme

Hallo meine Lieben, wo immer Ihr gerade seid, ich hoffe sehr, Ihr erfreut Euch bester Gesundheit.


Seit dem 15. März 2020 darf auch ich nicht mehr in meiner aktuellen beruflichen Tätigkeit als Domina mein Schaffen ausüben. Eine einschneidende Erfahrung, zumal ich stets gerne und viel in all meinen Berufen gearbeitet habe und es bis vor wenigen Tagen praktisch noch mit Leidenschaft tat.
In Anbetracht der gegebenen Umstände und der dramatischen Entwicklung bzgl. der rasant ansteigenden Ansteckungszahlen mit COVID-19, habe ich aber volles Verständnis für diesen Schritt.

Existenz- und Zukunftssorgen in Bezug auf unsere Gesellschaft, das Gesundheitswesen, den friedlichen und bedachten Umgang miteinander in allen Facetten unserer Bevölkerung und die Weltwirtschaft mache ich mir trotzdem, wenn auch bedacht dosiert, ansonsten sterbe ich wohl eher an einem Schlaganfall oder Herzkasper als an der bösen „Lady Corona“.

Gerade in der Weltstadt Berlin erlebt man selbst in den harmonischen und sogenannten „guten Zeiten“ extremen Egoismus, Aggression, Kriminalität und und Konkurrenzkampf in nahezu allen Lebenslagen rund um die Uhr. Für mein ausgeglichenes und positiv gestimmtes Naturell nicht immer begreiflich und mühelos in dieser Allgemeinheit einen behaglichen Platz zu finden. Doch mit genügend Rückgrat, einem dickem Fell, guten Freunden und Kollegen und einer lieben Familie kann ich dies gut schaffen.

Die Orientierung in dieser sich stündlich reformierenden und so betrübten Welt muss ich hingegen erst einmal finden. Ich fühle mich wie in einer Parallelwelt gefangen, der eigene Wille ist vorhanden, doch meine Entscheidungsgewalt über meine Person, meine Lebensweise, meine Individualität, mein bislang so unabhängiges, freies, aktives und selbst kreiertes Leben liegen im Koma. Ich warte sehnsüchtig darauf endlich wieder zu erwachen, doch ich bin gelähmt, stumm und unendlich nutzlos. Ich fürchte, ich mutiere zum Ballast für meine Liebsten und das System in welchem ich doch wirksam funktionieren soll. Das Leben fühlt sich so nach Tod an.
Scheiß Melancholie !!!
Sorry für den Ausflug in den Abgrund mancher Gedanken derweil und zurück ins augenblickliche Zeitgeschehen mit wohligen Temperaturen und reichlich Sonnenschein. Ehrlich Leute, die Natur lebt auf, erblüht und startet strahlend durch und wir kacken voll ab!
Kann mal jemand den „Pauseknopf“ drücken, die Mitteilungen des Weltgeschehens sind in diesem kometenhaften Tempo für Normalsterbliche echt nicht zu verinnerlichen.

Nach einem gestrigen Großeinkauf für meine beiden grauen Plüschtiger und meine Wenigkeit, habe ich jetzt den Entschluss gefasst, mich fortan für die folgenden Tage, bis einschließlich 1. April 2020, in häusliche Isolation zu begeben. Wie ich diese Zeitspanne in den eigenen vier Wänden im Einzelnen verbringen möchte, wie ich physisch und psychisch darauf reagieren werde, und ob ich mein Vorhaben überhaupt durchhalte, ist derweil vollkommen ungewiss.

Also meine lieben Leser hier, ich wünsche Euch viel Kraft, vor allem eine riesige Portion Gesundheit und ein Lächeln in diesen schweren Tagen voller Ungewissheit und Hiobsbotschaften.

Wir wissen alle, dass selbst die schlimmste Krise einmal endet, ich hoffe es dauert nicht all so lange und ich rechne ganz fest damit, dass wir es hier gebündelt mittels Worten zum Gedankenaustausch etwas leichter schaffen, die entstehende Leere des gesellschaftlichen Lebens miteinander sinnvoll und mit Glücksmomenten zu füllen.

Lasst Euch bitte nicht unterkriegen, denkt an die Dinge, die geblieben sind, nicht so sehr an die Dinge die verloren sind. Der Sinn unseres Seins besteht wohl fortan darin weiterzumachen, durchzuhalten und am Ende überlebt zu haben.
„Am Ende wird alles gut, und wenn noch nicht alles gut ist, dann ist es auch nicht das Ende“: Irgendwie mein Motte dieser Tage.
Zudem: „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“ Irgendwann werden wir somit verstehen was in dieser Gegenwart geschieht.

Ich drücke Euch fest mit dickem Knutscher aus diesem Blogbeitrag vom „Schloss daheim“, Eure Jana B und Fuß and the cats.

  • BLEIBT MIR GESUND UND ERHALTEN.

 

4 Antworten auf „Der Zustand und die Ausnahme”

  1. Antworten Andreas sagt:

    Zumindest hat der Fressnapf offen, daß die Tiere nicht hungern müssen.

  2. Antworten Paul Vegan sagt:

    In dir steckt ja auch eine großartige Schreiberin, schöner Artikel.
    Die Lage ist wirklich abgefahren, jetzt zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht, von wegen wir sind ja alle so sozial und tollerant…

    Kommt gut durch diese Zeit

  3. Antworten Lars sagt:

    Ich weiß ohnehin nicht, wie man es freiwillig in dieser Stadt aushält. Ich bin hin und wieder beruflich dort und stets froh, wenn ich wieder abreisen darf. Irgendwie schlägt mir dieser Ort immer wieder auf’s Gemüt.
    Alles Gute jedenfalls in der Isolation. Die Tiger werden sich über eine „Ganztagsbekuschlung“ sicherlich freuen. 🙂

  4. Antworten Sebastian sagt:

    Meinen tiefsten Respekt für diese Entscheidung sollten sich viele ein Beispiel nehmen. Desweiteren hoffen wir das wir in 4 Wochen ein Ziel in Sicht haben. Viele sollten einsehen das man sich an gewisse Regeln in dieser Zeit halten müssen. Ich wünsche dir alles Liebe sowie Gesundheit und ein entspanntes Leben mit deinen Tigern. Lg Sebastian

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